Netzwoche: KI als Heilsbringer? Was Führungskräfte jetzt wirklich wissen müssen
Erik Wirz im Interview mit Netzwoche
Künstliche Intelligenz (KI) wird oft als Lösung für alle Herausforderungen dargestellt: Automatisierung, Kostensenkung, Effizienzsteigerung – die Schlagworte dominieren Schlagzeilen und Strategiepapiere. Doch wie sieht die Realität in Unternehmen aus? Und was bedeutet das für Führungskräfte, die heute Entscheidungen treffen müssen?
Zwischen Anspruch und Wirklichkeit:
In Gesprächen mit Verwaltungsräten und Top-Managern der Schweizer Wirtschaft zeigt sich ein differenziertes Bild: KI ist allgegenwärtig, aber die Umsetzung bleibt komplex. Viele Projekte starten mit hohen Erwartungen, ohne die tiefgreifenden organisatorischen und kulturellen Veränderungen zu berücksichtigen, die notwendig sind. Häufig werden bestehende Analytics-Initiativen lediglich um KI-Komponenten ergänzt – ein evolutionärer, kein revolutionärer Schritt.
Zahlen, die den Hype einordnen:
Bain warnt vor einer „Implementation Gap“: Um den globalen KI-Rechenleistungsbedarf bis 2030 zu decken, sind 2 Billionen US-Dollar zusätzliche Einnahmen jährlich erforderlich. Deloitte betont: Nur Unternehmen mit klarer Governance erzielen signifikante Effizienzgewinne. Unsere Beobachtungen bestätigen: Die eigentlichen Herausforderungen liegen weniger in der Technologie selbst, sondern in den Strukturen und Verhaltensmustern der Organisationen.
Was das für Führungskräfte bedeutet:
Die Erwartungen erzeugen Druck: Kosten senken, Geschwindigkeit erhöhen, Qualität sichern – und das scheinbar ohne Menschen. Diese Verantwortung ist nicht delegierbar. Führungskräfte müssen verstehen, wie Technologien das Geschäftsmodell beeinflussen. Wie bei Prometheus gilt es einerseits, das Potenzial von KI zu heben, andererseits ist dies mit nicht zu unterschätzenden Risiken verbunden – etwa dem Verlust von IP, erhöhtem Cyberrisiko, der Gefährdung der Souveränität des Geschäftsmodells sowie der Notwendigkeit einer klaren Governance, die diese Themen wirksam regelt.
Grenzen und Chancen:
Die Grenzen liegen weniger in der Technologie als in ihrer Anwendung. Fehlendes Wissen und kontextbefreite Implementierung führen oft zum Scheitern. Ethik, Kreativität und menschliche Urteilskraft bleiben unverzichtbar – gerade in einer Welt, die sich zunehmend auf Algorithmen verlässt.
Was jetzt wichtig ist:
Die zentrale Frage lautet: Wo in Ihrer Organisation schafft KI den grössten Hebel – und wo entstehen Risiken? Diese Fragen diskutieren wir täglich mit Verwaltungsräten und CEOs im Rahmen unserer Mandate. Die Erkenntnisse aus diesen Gesprächen und internationalen Benchmarks zeigen: Erfolgreiche Unternehmen gehen strukturiert vor, analysieren Reifegrad, Geschäftsmodell und Marktposition – bevor sie investieren.
Fazit:
KI ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, das strategisch eingesetzt werden muss. Wer die richtigen Fragen stellt und die Organisation vorbereitet, schafft echten Mehrwert. Wir teilen unsere Erfahrungen aus der Praxis gerne – nicht als Theorie, sondern als Grundlage für fundierte Entscheidungen.